Der Moment der Erkenntnis
Vor vier Jahren wirkte ich in der Bewerbungsbegleitung. Meine Aufgabe war das Begleiten von Menschen beim Umschiffen des harten Übergangs in die Existenzangst. Dabei bewegte mich eine Beobachtung tief: Viele steckten in einer lähmenden Stagnation fest. In den Gesprächen begegnete mir oft eine entwaffnende Ehrlichkeit: „Ich möchte mich erst mal ausruhen, es ist ja noch genug Zeit“ oder „Ich habe fünf Jahre keinen Urlaub so wie ich ihn beantragt habe bewilligt bekommen – ich genieße jetzt den Sommer und bewerbe mich im Herbst.“
Doch genau hier lag der Hase im Pfeffer. In dem Moment, als der Druck existenziell wurde – wenn Konten offengelegt werden mussten oder der Wohnungswechsel drohte – schlug diese Ruhe schlagartig in panischen Tatendrang um.
Diese Erkenntnis ließ mich darüber reflektieren: Warum werden wir oft erst durch massives „kausales Ausmaß“ handlungsfähig? Warum unterschätzen wir die Wirkung der Zeit, mit der das Leben auf unser Wirken reagiert?
Die Geburtsstunde einer Idee
Aus diesen Wahrnehmungen widmete ich in der Gruppenbegleitung ein eigenes Themengebiet der Prokrastination (das Aufschieben) und seinem Gegenstück, der Präkrastination (der rastlose Drang, alles sofort tun, für das Loslösen vom Druck).
Ein zentraler Punkt meines Wirkens wurde die Sensibilisierung für das „Echo der Zeit“ unseres Handelns. Ein Beispiel, das ich oft nutzte: Wer erst einen Monat vor dem drohenden Jobcenter-Übergang die Bewerbung abschickt, übersieht die unsichtbaren Fristen. Bis Unternehmen sichten, einladen und entscheiden, streichen oft sechs bis acht Wochen ins Land – Zeiträume, die außerhalb unseres Einflusses liegen. Die Folge: Ein Monat ohne Geld, trotz plötzlichem Fleiß.
Mir wurde klar: Wir brauchen einen Begleiter für den ehrlichen Blick auf die Konsequenzen unseres Handelns (oder Ruhens), lange bevor die Außenwelt die Daumenschrauben anlegt. Die Vision einer App war geboren.
„Sie lebten die Erfüllung des Paradieses – ihre Wesen waren geschaffen für eine Welt fern von Angst, Aggression und ständiger Flucht."
Hier begegnen wir den Dodos (Familie der Tauben). Oft wird behauptet, die Dodos seien dahingegangen, weil sie unfähig oder träge gewesen seien. Doch das ist ein Irrtum der Leistungsgesellschaft.
Die Dodos lebten auf Mauritius an einem paradiesischen Ort voller Frieden. Raubtiere gab es dort kaum. Sie blieben am Boden, denn Flucht war dort fremd. Sie waren Wesen der Sanftmut und des Trauens. Das Ende ihrer Ära kam, als der Mensch und mit ihm der äußere Druck in ihr Paradies eindrangen.
„Begleite dein Wirken im Rhythmus deines Herzens. Schenke deinem Handeln die Sanftmut der Dodos und die Leichtigkeit einer Feder.“
Dein Dodolidooo